Offenstall – Wie geht es den Kühen im Winter?

Sind Frost und Eis ein Problem für die Tiere? Hält die Technik durch?

Wir sind Ende 2009 mit den Milchkühen in unseren neuen Stall eingezogen. Das offene Stallkonzept sollte angesichts des Klimawandels kein Problem sein. So dachten wir. Nächtliche Temperaturen bis zu -18°C waren dann die Realität in diesem ersten Winter.

Ohne Erfahrungen mit den Schieberanlagen zur Säuberung der Laufflächen haben wir gleich beim ersten Schneefall den entscheidenden Fehler gemacht: Wir haben den Neuschnee, der auf den Laufhof gefallen war, in den Abwurfschacht schieben lassen. Zehn Zentimeter auf 550 m2 sind eine Menge Schnee. Dieser komprimierte Eisklumpen hätte vermutlich bis April im Schacht gesessen und weiteres Befüllen und Mixen unmöglich gemacht. Erst warmes Gärsubstrat hat uns damals vor viel Ärger bewahrt.

Nun laufen unsere Schieber bei Frost nahezu stündlich, so dass die Kuhfladen nicht anfrieren können. Bei starkem Frost, eisigem Ostwind und vor allem bei Schneefall werden die Schieberanlagen der Laufhöfe ausgestellt. Der Kot wird dann zu einer weichen Masse mit der Konsistenz von Sägemehl. Die Kühe laufen recht gut auf diesem Material (deutlich besser als auf angefrorenen Spalten). Glatt ist es im Winter nur bei echtem Eisregen.

Bei Tauwetter lassen wir den Schieber jeweils kleinere Mengen in den Schacht befördern. Das ist dann für kurze Zeit etwas Schweinkram, kommt aber recht selten vor. Eine andere Variante ist es, den gefrorenen Mist per Frontladerschaufel direkt in den Güllebehälter oder die Lagune zu transportieren. In den Liegehallen frieren die Kuhfladen nur selten an, daher laufen dort die Schieber weiter und die Kühe schleppen keinen Mist in ihre Liegeboxen.

Überhaupt kommen die Kühe gut zurecht mit den Wintertemperaturen. Bei der Milchbildung wird auch immer Wärme produziert. Natürlich verbrauchen die Tiere dann mehr Energie und es ist wichtig darauf zu achten, dass fleißig gefressen wird. Sinken die Temperaturen auch tagsüber bei gleichzeitigem Ostwind unter -10°C, halten sich die Tiere deutlich mehr in den Liegehallen auf und gehen meist nur zum Fressen nach draußen.

Das Wasser für die Tränken wird permanent im Kreis gepumpt und bei Bedarf beheizt. Die Wasserversorgung der Tiere ist auch im Winter enorm wichtig. Sind die Tränken einmal eingefroren, würden die Zuleitungen im schlimmsten Fall für mehrere Wochen nicht mehr auftauen.

Wir haben in elf Jahren zwei „echte“ Winter gut überstanden. Die Kühe kommen gut damit zurecht. Wir selbst sind nur zu den Melk- bzw. Futterzeiten im Stallbereich – mit Thermo Overall ist es erträglich.

Autor: Kirsten Wosnitza

Milchbäuerin

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