Morgennebel und MITTAGSSTUNDE

Ein Bauernhof ist Arbeits und Lebensort zugleich. Sieben Tage die Woche: Selbstbestimmung oder Zwang?

Auf vielen Milchviehbetrieben beginnt der Tag zwischen 5 und 6 Uhr morgens. Manchmal auch schon früher. Das gilt für den Mittwoch genau so wie für den Sonntag.

Es zehrt an den Kräften, wenn diese langen Tage gleich morgens mit Problemen und Stress beginnen. Das lässt sich nicht immer ganz vermeiden. Zum Beispiel während der Wintermonate, in denen die Kälber geboren werden.

Das ist auch die Zeit, in der die Kühe anfällig für Stoffwechsel- oder Euter Probleme sind und unsere volle Aufmerksamkeit benötigen. Gleichzeitig müssen die neugeborenen Kälber versorgt werden.

Nächte mit wenig Schlaf, in denen Kühen und Kälbern bei der Geburt geholfen werden muss, frühes Aufstehen und später Feierabend, damit alle Tiere versorgt sind – all das erfordert die in Milchvieh Regionen seit jeher so bekannte MITTAGSSTUNDE.

Wenn im Frühjahr der Acker bestellt und die erste Grasernte eingefahren ist, dann beginnen die langen Tage und kurzen Nächte im Norden. Arbeit gibt es auch jetzt noch genug auf den Weiden und mit den Tieren. Aber der Stress wird weniger. Und es gibt viele Momente, die uns belohnen.

Dieser Teil geht immer mehr Milchviehhaltern verloren. Denn immer mehr Kühe bleiben heute im Stall, weil die Lage des Betriebes und vor allem auch die steigende Anzahl der Kühe bei gleichzeitiger Knappheit an Arbeitskräften die Weidehaltung schwierig machen.

Der wirtschaftliche Druck in der Tierhaltung bringt heute Tiere und Menschen immer öfter an ihre Leistungsgrenzen. Da bleibt sogar am Sonntag oft wenig Raum, den Tag einmal in Ruhe angehen zu lassen.

Es würde Mensch, Tier und Natur gut tun, wenn wir dieses System verändern würden. Und das gilt für viele Bereiche, nicht nur für die Landwirtschaft.

Autor: Kirsten Wosnitza

Milchbäuerin

2 Kommentare zu „Morgennebel und MITTAGSSTUNDE“

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