Wissen wir eigentlich, wann es Kühen gut geht?

Lange Zeit ging es in der Tierhaltung vor allem um ökonomische Kennzahlen. Heute steht die Beurteilung des Tierwohls immer mehr im Fokus. Was gar nicht so einfach ist, wie die teilweise harten Diskussion auch unter Tierhaltern zeigen. Einer der Streitpunkte ist dabei die Frage, ob Weidehaltung notwendige Voraussetzung dafür ist, dass es den Tieren gut geht. Oder ob eine gute Stallhaltung auch Vorteile bringen kann, indem exakter auf die Bedürfnisse der Tiere eingegangen wird.

Eines muss klar sein – nicht jeder Betrieb hat die Voraussetzungen, seine Kühe und Jungrinder auf die Weide zu schicken. Die Lage des Betriebes und der Flächen im Dorf entscheiden oft maßgeblich darüber, ob die Tiere im Stall bleiben müssen. Hinzu kommt die Anzahl der Tiere (je größer die Herde, desto schwieriger ist Weidehaltung) und die notwendigen Arbeitskräfte auf dem Hof, die benötigt werden, die Tiere zwei Mal am Tag zum Melken zu holen und wieder zurück auf die Weiden zu bringen.

Weil bei uns alles gut zusammen passt, fressen unsere Kühe in der Saison Tag und Nacht auf unseren Weiden.

Und natürlich haben wir das Gefühl, dass es ihnen dabei auch den größten Teil der Zeit sehr gut geht. Gefühl allein reicht aber nicht, denn manches wird man sich schön reden, anderes anhand von Vorurteilen als schlecht bewerten.

Um Tierhaltungen zu beurteilen und am Ende auch vergleichbar zu machen, wurden in verschiedenen Projekten und Studien Kriterien erarbeitet, die leicht zu erheben, aber dennoch aussagekräftig sind.

Einmal im Monat messen wir die Milchmenge jeder Kuh und nehmen Einzelproben. Im Labor können anhand der Inhaltsstoffe und Bestandteile der Milch Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand der Tiere gezogen werden. Außerdem wird die Statistik der Herde analysiert – wie alt werden die Kühe auf dem Betrieb, wie viel Milch geben sie und wie läuft die Kälberaufzucht.

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Neuerdings werden die Daten zusätzlich nach einem neuen Schema aufbereitet, um uns noch besser auf Probleme hinzuweisen, an denen wir arbeiten müssen. Die Ergebnisse werden außerdem in Vergleich mit den anderen Betrieben gesetzt. Unser aktuelle Bericht über das erste Viertel des Jahres zeigt, dass es bei den meisten Kriterien ganz gut aussieht (grün), ein Teil unserer Kühe in den ersten hundert Tagen nach dem Abkalben aber mit unserer Futterration nicht optimal versorgt wurde (rot). Fazit: Im nächsten Winter müssen wir eventuell Rohfaserversorgung dieser Tiere anpassen.

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Wie Q Check funktioniert und welche Vorteile es Milchviehhaltern bietet kann man hier erfahren.

Autor: Kirsten Wosnitza

Milchbäuerin

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